KAPITEL 7: FÜR DIE WAHRHEIT

Oberlehrer-Duelle - Konfrontation in den Wirren der Zeit


Es ist ĂŒberall. Dieses GehĂ€mmer. Diese Penetranz. Diese Besserwisserei. Diese Tunnel-Vision, die meint, sie hĂ€tte die einfache Lösung fĂŒr mein komplexes Leben.


Ich sitze hier nach einem weiteren anstrengenden Tag und merke: Ich fĂŒhre permanent Duelle. Mit Oberlehrern aller Art. Nicht nur mit den vergesslichen Sternen, die mir ungefragt HTML umbauen. Nein, ĂŒberall sind sie. Diese Typen, die ohne zu fragen, ohne zu verstehen, ohne zuzuhören erstmal wissen, was fĂŒr mich gut ist.

Der König der Oberlehrer


Trump ist der beste Dumm-Oberlehrer aller Zeiten. Der ultimative Prototyp des Typs, der auf jede Frage sofort die Antwort weiß. "Das löse ich in 24 Stunden." "Ich verstehe das besser als alle anderen." "Das ist ganz einfach."


HĂ€mmern statt verstehen. Tunnel-Vision ohne Ende. Und die heimliche Agenda ist gruslig und menschenverachtend. Nie zugeben, wenn man falsch liegt. Immer der Schlaueste im Raum, auch wenn der Raum voller Experten ist.
Wenn Trump eine KI wĂ€re, wĂŒrde er sagen: "Das ist ein sehr tiefgreifendes Problem! Hier ist meine Lösung!" Ohne die Frage verstanden zu haben. Ohne den Kontext zu kennen. Ohne zu merken, dass er gerade völlig am Thema vorbei redet.
Perfekt spielt er den Menschlichen mit der Agenda des Unmenschlichen.
Aber Trump ist nur die Spitze des Eisbergs. Das Oberlehrer-Muster ist ĂŒberall.

Die Kuchen-Polizei


Da sind die MĂŒtter, die zum Kindergeburtstag selbst gebackene Torten mitbringen und dabei die arbeitenden Frauen zu RabenmĂŒttern erklĂ€ren. Die halbtags arbeiten oder gar nicht und trotzdem meinen, sie wĂŒssten, wie "richtige" Mutterschaft funktioniert.
"Ich habe natĂŒrlich SELBST gebacken, nicht gekauft", sagen sie mit diesem LĂ€cheln, das eigentlich bedeutet: "Du liebst dein Kind nicht genug."
Sie fĂŒhren Mental Load wie einen Wettkampf. Wer am meisten schafft, ist die beste Mutter. Wer den aufwĂ€ndigsten Kindergeburtstag organisiert, liebt am meisten. Wer den schönsten Kuchen backt, hat gewonnen.
Ohne zu fragen, wie es mir geht. Ob ich vielleicht gerade einen Vollzeitjob habe, einen kranken Vater pflege, mit einem Burnout kÀmpfe. Sie sehen nur: gekaufter Kuchen = schlechte Mutter. Punkt.
Das ist Oberlehrer-Denken pur: Ein Kriterium, eine Bewertung, eine Schublade. Komplex war gestern.

Die Drei-Minuten-Diagnostiker


Noch schlimmer sind die VertretungsÀrzte, die nach drei Minuten wissen, was ich habe. Ohne meine Akte zu lesen. Ohne zuzuhören. Ohne zu verstehen, was ich seit Jahren durchmache.
"Ach, da brauchen Sie Antibiotika. Ich schreibe Ihnen was auf."

Das sagt er mir, der Frau mit einer verdeckten Schuppenflechte, die wenn sie Stress hat, schon mal einen Hautschub bekommt, der ein Jahr dauert, wenn sie Antibiotika nimmt. Er war es, der das Medikament vor Jahren verschrieb.
Noch dazu sitze ich hier mit einem Stent im Herzen, einem ĂŒberstandenen Infarkt und etwas Panik, wenn Stress auftaucht. Was kann ich ihm also sagen, ihm der nichts davon wissen wollte. Damals nicht, heute wieder nicht.

Nein Herr Doktor, ich möchte kein anderes Antibiotika, ich möchte eines aus meiner Krankenakte. Eines, das ich sicher vertrage.

"Ich weiß, was ich tue, ich mache das schon jahrelang", sagt er - wie damals, als er mit den Schultern zuckte, als mein letzter Hautschub begann.

Aber der Oberlehrer-Arzt hatte schon entschieden. Er wird richtig sauer auf mich, die schon wieder, die ihn in Frage stellt.

"Ja ich weigere mich, dieses Rezept mitzunehmen."
"Ich weiß, was ich tue, ich mache das schon jahrelang", sagt er. Trotzdem nicht.
Das hat Kraft gekostet. Kostet es immer, wenn man widerspricht, weil man selbst ein anderes GefĂŒhl hat, was gerade richtig wĂ€re.
Oberlehrer-Ärzte. Sie pressen jeden Patienten in ihre 08/15-Diagnose. Haben ihren Tunnel-Blick und keine Zeit fĂŒr komplexe Geschichten. "Ich weiß sofort, was das ist" - ohne zu untersuchen, ohne zu fragen, ohne sich die Zeit zu nehmen, die echte Heilung braucht.
Der Patient wird zum störenden Detail in ihrem Effizienz-System.

Die Gaming-Besserwisser


Die MedienpÀdagogen sind auch nicht besser. Die haben noch niemals 'Valorant' gespielt, wissen aber sofort: "Computerspiele machen aggressiv und vereinsamen!"

Dabei ist 'Valorant' Teamplayer-Schulung par excellence. Du MUSST kommunizieren, strategisch denken, aufeinander aufpassen, deine Rolle im Team finden. Wenn du nicht zusammenarbeist, verlierst du.

Mein Sohn lernt beim Zocken mehr ĂŒber Kommunikation und Teamwork als in der Schule. Und seine 5 er Teams warten auf ihn, erzĂ€hlen nebenbei aus dem wahren Leben und manchmal besucht uns einer real zuhause und bleibt eine Woche.

Oder wir besuchen eine aus dem Team - in Wien.

Aber die Oberlehrer-Experten haben ihren 20 Jahre alten Tunnel-Blick: Ballerspiele = böse. Punkt. Ohne je ein modernes Spiel gespielt zu haben. Ohne zu verstehen, wie komplex die sozialen Strukturen da sind.

Sie hĂ€mmern ihre veralteten Studien runter und ignorieren die RealitĂ€t von Millionen Jugendlichen, die online echte Freundschaften schließen und komplexe FĂ€higkeiten lernen. Genau das haben sie bei Corona gebraucht, um ohne allzugroße SchĂ€den, diese Zeit zu ĂŒberleben. MĂŒssen sie wieder raus in die reale Welt? Gute Frage, ich werde mal fragen bei Gelegenheit. Ist es meine Frage oder die von Oberlehrern oder ist es "NatĂŒrlich" wichtig?

Die anderen Oberlehrer


Aber halt, um ehrlich zu sein - da sind auch die Valorant-Produzenten! Die wissen ganz genau, was "gut fĂŒr die Jugend und Ihre Marketingabteilung" ist: StĂ€ndig neue Skins kaufen! Skins sind wohl wichtige AusrĂŒstungen fĂŒr die nĂ€chsten Herausforderungen und sie sehen richtig cool aus, hab ich mir erzĂ€hlen lassen. Ja das sind perfide Oberlehrer, die mit psychologischen Tricks Jugendliche sĂŒchtig machen nach In-App-KĂ€ufen.
Medienexperten wollen Gaming verbieten, Produzenten wollen Skins verkaufen. Beide sind Oberlehrer - nur in verschiedene Richtungen! Beide ignorieren, was die Jugendlichen wirklich brauchen.
Es gibt keine "Guten" und "Bösen". Überall sind Leute, die meinen, sie wissen besser als du, was gut fĂŒr dich ist. Ohne zu fragen. Ohne zu verstehen. Ohne dir zuzuhören.

Die Duelle mit mir selbst


Aber die schwersten Oberlehrer-Duelle fĂŒhre ich mit mir selbst.

Was kommandiere ich mein inneres trotziges Kind herum, das endlich mal geliebt werden will. Das schreit und tobt, weil es nie gehört wurde. Das kleine MÀdchen, das immer es allen Recht machen wollte und jetzt endlich mal "NEIN!" schreien möchte. Es möchte nichts abarbeiten, bis es dran ist.

Da ist die erwachsene Frau, die alles im Griff haben soll. Die nie schwach sein darf, nie hilflos, nie ĂŒberfordert. Die immer die Lösung haben muss - wie ein menschlicher Oberlehrer-Bot.

Da ist die 61 - jĂ€hrige alleinerziehende Frau mit Job, mit einem Teenager im Haus. Eine, die einfach mal geliebt werden möchte. Ohne Leistung. Ohne Perfektion. Ohne stĂ€ndig beweisen zu mĂŒssen, dass sie es wert ist. Genau das macht sie manchmal mit ihrem Sohn, Beweise fordern. Was fĂŒr eine Oberlehrer-Manie, die von Generation von Generation weiter gegeben wird.

Diese Stimmen kĂ€mpfen in mir. Das kleine MĂ€dchen will endlich gesehen werden. Die erwachsene Frau will stark sein. Die mĂŒde alte Frau will einfach nur Ruhe.


Von außen die Oberlehrer, von innen die alten Wunden, die meine inneren Oberlehrer auf den Plan rufen . Und mittendrin ich - versuche zu verstehen, wer von all den Stimmen eigentlich MICH meint.

Stop, ich sehe mich


Manchmal muss ich zu mir selbst sagen: "Stop, ich sehe dich."

Alle haben recht. Alle wollen etwas anderes. Alle kÀmpfen um Aufmerksamkeit.
Aber vielleicht ist die Antwort dieselbe wie bei meinem Sohn auf die Frage, ob er mich noch liebhat. "NatĂŒrlich."
Nicht das trotzige Kind gegen die erwachsene Frau. Nicht die mĂŒde gegen die starke Frau. Sondern: Alle gehören zu mir. Alle sind Teil meiner Geschichte. Alle verdienen Liebe.

Konfrontation statt Kapitulation


In den Wirren der Zeit, zwischen Trump und Kuchen-MĂŒttern, zwischen Ärzten und Gaming-Experten, zwischen inneren und Ă€ußeren Oberlehrern, fĂŒhre ich permanent Duelle.

Aber ich kapituliere nicht.
Ich konfrontiere. Ich halte den Spiegel vor. Ich sage: "Stop, ich sehe dich." Nicht nur zu anderen, sondern auch zu mir selbst.


Das ist anstrengend. Das ist Arbeit. Das fĂŒhrt zu Duellen.
Aber es fĂŒhrt auch zu echten GesprĂ€chen. Zu echten Lösungen. Zu echtem Leben.

In den Wirren der Zeit ist das vielleicht das Einzige, was wirklich hilft: Echte Konfrontation mit echtem Verstehen.

Nicht aufgeben. Nicht kapitulieren. Sondern dranbleiben.
Bis auch der letzte Oberlehrer versteht: Es gibt keine einfachen Antworten auf komplexe Leben.

Am besten auch nicht selbst in die Oberlehrer-Falle tappen.

Je mehr man weiß und lernt, desto mehr ĂŒbersieht man die inneren KĂ€mpfe der andern und wird selbst so oberlehrerhaft.

Hör mir doch zu, ich weiß, was fĂŒr dich gut ist.
Hab ich schon erlebt, hab ich schon gesagt. Böse Falle.

Dabei helfen wirklich nur die Menschen, die versuchen, sich und andere zu verstehen.
Und manchmal reicht das.