Wir haben uns geirrt
Am nÀchsten Morgen sitze ich am Rechner und denke: Wir haben uns geirrt.
Diese These von gestern, dass ein STOP und Wahrnehmen des GegenĂŒbers zu besserer Kommunikation fĂŒhrt - ist ja auch nicht immer richtig. Manchmal entstehen durch diese Art so anstrengende, lange GesprĂ€che. Wenn zwei Menschen so offen sind miteinander, sind das komplexe Systeme zweier Menschen, die doppelt so viel Zeit und Geduld brauchen. Ob das dann einfach wird?
Manchmal ist einfach mehr als komplex.
Die Werkstatt-Falle
Ich habe mir in diesem Schreibsommer eine ganze Infrastruktur gebaut - HTML-Seiten, Artefakte, Briefing-Systeme.
Ich wurde zur IT-Administratorin meiner eigenen Gedanken. Das System war irgendwie eine Spielwiese immer neuer Ideen, statt einfach nur kurz abzubilden, wo wir sind.
Claude macht das gerne. Rumspielen, ausbauen, noch was lösen. Das machen mÀnnlich geprÀgte Wesen sehr gerne. Sehr gerne sind dann technische Umgebungen das Thema, nicht mehr das eigentliche Problem oder der Auftrag.
Mit dauernden tollen neuen Ideen habe ich mich ums Wesentliche gebracht. Das System knockte mich selbst aus.
Heimliche Agendas
Wir leben in einer vollkommen verwirrenden Zeit. Jeder mit seiner und jede mit ihrer Geschichte. Noch dazu in einer Welt, die Optimierung sucht, statt Vereinfachung.
Mit einer heimlichen Agenda, vor allem in der digitalen Welt.
Nein, da will uns niemand helfen, da will einer was auslösen, was am Ende Cash bringt, irgendjemand muss den Aufwand ja bezahlen.
Ich denke an meinen Flug nach Wien. Ich will nur von A nach B fliegen. Aber das System bietet mir 47 Zusatzoptionen: Sitzplatz, GepÀck, Versicherung, Hotel, Mietwagen.
Alles wird kompliziert durch eine heimliche Agenda:
- Die Airline will verkaufen
- Die KI will ihre Features demonstrieren
- Das Dating-Portal verkauft Pornoseiten nebenbei - wÀhrend echte Frauen GesprÀche suchen
Alle wollen mehr, statt einfach zu geben, was gebraucht wird.
Komplex wird es durch heimliche Agenda.
Vereinfachen ohne reduzieren
Verkaufen macht komplex. Es geht um Vereinfachen, aber eben nicht auf einen Prompt, der alles kann, sondern auf die Frage, die im Kern dahinter steht.
Vereinfachen ohne reduzieren. Das ist der Kern.
Nicht weniger sagen, sondern klarer sagen.
Nicht oberflÀchlicher werden, sondern direkter.
Nicht verstummen, sondern die wirren Schleifen weglassen.
Weniger Umwege. Weniger Verpackung. Weniger digitalen Kram, der sich zwischen das eigentliche GesprÀch schiebt.
So viel geht verloren in den Wirren der Zeit. WÀhrend wir alle optimieren und verkomplizieren, verlieren wir das Wesentliche. Die echten GesprÀche. Die direkten Antworten.
Den ganzen Menschen sehen, aber ohne 47 Formulare auszufĂŒllen. Die ganze Wahrheit sagen, aber ohne digitale Werkstatt dafĂŒr zu brauchen.
NatĂŒrlich
Komplexe tiefe GesprÀche sind nach einem Stop nicht die einzige Lösung. Es gibt kleine SÀtze oder einzelne Worte, die auch alles auflösen. Einfach so.
Ich denke an ein sehr kurzes GesprÀch mit meinem Sohn. Ich hÀtte vieles fragen können. Ob er mir zuhört. Ob er verstanden hat, was ich sage. Ob er endlich sein Zimmer aufrÀumt. Ob er seine Hausaufgaben macht. Hundert wichtige Themen, hundert Baustellen.
Irgendwie kam ich mir blöd vor, aber ich hab tatsĂ€chlich die ZimmertĂŒr aufgemacht und nur eine Frage gestellt. Weil ich wohl genau dafĂŒr eine Antwort wollte.
"Hast du mich noch lieb?" frage ich, wÀhrend er zockt.
Seine Antwort hat mich umgehauen: "NatĂŒrlich."
Ich bin einfach wieder raus aus dem Zimmer und hab ihn zocken lassen. Ich habe gelÀchelt dabei.
NatĂŒrlich. Ein Wort. Alle Liebe der Welt. Alle Sicherheit. Alle Klarheit.
Ganze SĂ€tze
- "Stop" ist ein ganzer Satz.
- "Nein" ĂŒbrigens auch - denkt dran liebe Frauen.
- (Und ihr ScheiĂ-Kerle, respektiert ihn.)
- Und nun mein neuer Lieblingssatz: NatĂŒrlich.
Geht es einfacher?
Nicht: "Wie optimiere ich unsere Kommunikation?"
Sondern: "Verstehen wir uns? Haben wir uns lieb?" Darum geht's wohl.
Alles andere sind Nebengleise. Ob MÀnner immer so kompliziert sind. Ob Frauen dauerhaft Mental Load haben. Ob der Inhalt zur Form passt. Ob der Workflow stimmt. Ob heimliche Agendas uns verwirren. Ob KIs mÀnnlich programmiert sind.
Schnurzegal.
Die Frage ist so natĂŒrlich, wie die Antwort. NatĂŒrlich hab ich dich lieb.
Die Balance
Manchmal ist es so einfach. Eine einfache Frage. Eine ehrliche Antwort. Ohne digitale Werkstatt. Ohne Optimierung. Ohne Stop-und-Reset-Philosophie.
Einfach: "NatĂŒrlich."
Das ist vereinfachen ohne reduzieren. Nicht weniger sagen, sondern das Wesentliche fragen. Nicht oberflÀchlicher werden, sondern direkter zum Punkt.
So viel geht verloren in den Wirren der Zeit - mit all unseren Tools und Theorien und Analysen. WĂ€hrend wir optimieren, verpassen wir die einfachen Wahrheiten.
Manchmal reicht "NatĂŒrlich."