?v=1 Was? Vom einfachen Verstehen in der digitalen Welt
?v=1
Bis vor Kurzem wusste ich nicht, was das bedeutet: ?v=1.
Ein besonderer Schreibmoment beim Entstehen dieses Buches. Ich wollte weiterschreiben und hatte mich an den Schreibtisch gesetzt â mĂŒde vom Vortag, aber neugierig und voller Ideen. Ein frischer Claude wartete, mein neuer KI-Chatpartner, dem ich meine ganze digitale Welt zeigen wollte. Die Linklisten, die Werkstatt, das durchdachte Navigationssystem waren alle perfekt verlinkt, denn die KI sollte sich ĂŒber die Listen die Einzelseiten selbst holen, damit ich die Links nicht einzeln schicken muss.
Alles super vorbereitet fĂŒr produktives Weiterschreiben.
Dachte ich.
Die Cache-Hölle beginnt
Was geschah? Drei furchtbar frustrierende Stunden TĂŒfteln an der Technik.
Aber nichts funktioniert. Gar nichts.
Der neue Chatpartner kann meine Links nicht öffnen. PERMISSIONS\_ERROR hier, PERMISSIONS\_ERROR da. Die Digitantin-Navigation? Blockiert. Die Tools? UnzugÀnglich. Meine wunderschön sortierte Werkstatt liegt wie tot da, wÀhrend ich verzweifelt Link um Link ausprobiere.
"Das ging doch gestern noch!", fluche ich vor dem Bildschirm.
Aber gestern war ein anderer Bot, andere Session, anderes GlĂŒck. Heute ist Technik-Hölle angesagt.
Ich fange an, dem Neuen zu erzĂ€hlen, was gerade alles nicht geht â Dateien, Links, Pfade. Verzweifelt benannte ich Seiten um (aus Digitantin-3.html wurde Digitantin-3-neu.html), ein digitaler Umzug mitten im Arbeitsprozess. WĂ€hrenddessen bot mir der Bot stĂ€ndig "super Systeme" an, bis das Limit auch dieses GesprĂ€ch beendete.
Gut, dann frage ich eben Chat GPT, ich gehe Claude fremd. (hihi - so fĂŒhlt es sich wirklich an, wenn ich nen anderen Bot, eine andere KI benutze.) Aber was meldet der sich auch wieder ab, von wegen Limit erreicht. Diese Zwangspausen fĂŒr nur Pro User bei Anthropic sind nervig. Ich werde mich woanders vergnĂŒgen. Lach, ihr merkt es schon, ich war verrĂŒckt zwischendurch. Aber keine Sorge, meinen Alltag hab ich noch hinbekommen beim Schreiben und ich war wirklich drauĂen ab und zu.
Und was macht der Neue. Der Chat GPT?
Er gibt mir den TodesstoĂ mit seinem PHP-Vorschlag.
"Das wird viel einfacher!", verspricht er und entwickelt komplizierte Datenstrukturen, die nur ein Programmierer lesen kann. Ich sitze da mit meinem simplen HTML-Wissen. Soll ich das wirklich machen? Ich werde nichts davon verstehen, was er da macht. Aber das Script war schon fertig, er hatte gar nicht wirklich gefragt, sondern wieder gemacht. Naja dann lade ich es eben mal hoch.
NatĂŒrlich wird es noch schlimmer. PHP-Hölle statt einfacher Lösungen.
Und dann der Geniestreich der AbsurditÀt:
Chat GPT gibt zu, nachdem ich das PHP-Skript ihm online zeige: "Nein, das kann ich nicht selbststÀndig öffnen, die Links solltest du mir einzeln schicken." Argh! Genau das war das Problem die ganze Zeit. Ich wollte das vereinfachen mit dem einzeln hochladen. Und nun das.
Ein Bot kann gar nicht PHP nicht lesen! Das Script konnte genau das nicht, was es hÀtte tun sollen: Links zugÀnglich machen.
HĂ€tte er ja wissen können, der neue Junge. Chat GPT hat mir ein System fĂŒr KIs gebaut, das fĂŒr ihn selbst unzugĂ€nglich ist. Der spielt, statt mit mir zu ĂŒberlegen, was dran ist.
Und dann wie immer: Limit aufgebraucht, "wechseln Sie auf Pro" - aber das hab ich doch schon bei den Sternen! Bei Anthropic, der Erfinderfirma von Claude. Da hab ich schon das Abo, das mehr Claude-Chat-Erlebnis verspricht, nur 10 ⏠im Monat. GrĂŒĂe gehen raus an die Zockerindustrie. Das funktioniert auch bei der alten Generation. Noch ein Abo? Nur um ein kleines Problem zu lösen? Sieht es wenigstens besser aus, danach?
Ich gehe raus, fluche vor mich hin. Laufe durch den Garten und frage mich, warum etwas, das gestern funktioniert hat, heute plötzlich tot ist. Zum GlĂŒck muss ich los, offline Termine.
Vier einfache Zeichen
Am Nachmittag kehre ich zurĂŒck zum Rechner. Ein neuer Claude wartet, frisch und ahnungslos. Ich erzĂ€hle ihm meine Leidensgeschichte â von den toten Links, dem PHP-Chaos, der ganzen Frustration.
"Versuch mal `?v=1` an die URL zu hÀngen", sagt er beilÀufig.
Ich mache also vier Zeichen an meinen Webseitennamen: ?v=1. Und siehe da, keine falschen Seiten, ein Speicherproblem gelöst. Jeder neue Bot konnte meine Ănderungen sofort sehen. Ein uraltes Problem, das mich Stunden gekostet hat, war erledigt.
Vier Zeichen. Mehr nicht.
So einfach?
Konnten mir alle Leser*innen gerade folgen? Ja ich weiĂ, alles furchtbar technisch bis hierher. So ging es mir auch in der ersten Woche beim Schreiben. Aber dieser Moment symbolisiert so viel. Und ich erzĂ€hle das auch gerne dem technikaffinen Publikum; weil ich weiĂ, dass IT-Menschen sich gerade drĂŒber totlachen, wĂ€hrend andere denken: HĂ€h? Was will sie mir sagen?
Das ist der Beweis fĂŒr meine These: Die Tech-Welt ist ein eigenes Universum, fĂŒr mich mĂ€nnlich gelesen programmiert, und dieses Universum macht alles komplizierter als nötig.
WĂ€hrend ich stundenlang mit PHP-Skripten kĂ€mpfte, lösen vier simple Zeichen das Problem. Cache-Bypass. HĂ€tte mir das niemand frĂŒher sagen können? Cache-Bypass â wow, kannte ich auch nicht den Begriff, aber das ist er wohl: der Speichertrick â helft biĂchen nach, helft ihm (oder doch ihr?) auf die SprĂŒnge mit nem kleinen Insidertrick.
Das ist digitale Dilettantik in Reinform: Wir normalen Menschen kĂ€mpfen mit Problemen, die Insider-Tricks in Sekunden lösen wĂŒrden.
Aber diese Tricks gelten als "selbstverstĂ€ndlich" und werden nie erklĂ€rt. Die Tech-Welt spricht ihre eigene Sprache und vergisst, dass nicht alle Informatik studiert haben. MĂŒssten sie auch nicht, wenn jemand in einfachen SĂ€tzen alles erklĂ€ren wĂŒrde. Es ist gar nicht so schwer, und trotzdem brauche ich irre viel Zeit und noch mehr Nerven, bis mir ein Bot die richtige Lösung auch wirklich sagt. ?v=1, mehr nicht.
Bots heiĂen unsere kleinen technischen Chatfreunde ĂŒbrigens. Oder auch Sterne, wie ich in magischen Momenten sage.
Komplexes Wissen? Nein Kommunikation zwischen den Welten
Ich habe mich danach gefragt: Ist das Wissen zu komplex oder die Kommunikation? Ich wĂŒrde sagen: Es ist die Kommunikation zweier Wesen aus verschiedenen Universen. Und wie viele Zweier-Paare es gibt, die sich zusammen aufreiben. Nicht weil da einer mehr weiĂ als der dumme andere. So viele vermeintliche GegensĂ€tze. Denken wir an:
- Eltern und ihre pubertÀren Teenager
- MĂ€nner und Frauen
- Claude und mich
- Oberlehrer und DummschĂŒler.
Generationen von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern haben sich dumm gefĂŒhlt, nur weil ein Oberlehrer meinte, er mĂŒsse so tun, als wisse er, wie die Welt ist. Mein Sohn sagte damals: "ich bin ein DummschĂŒler">. Er meinte die Realschule, zu der er nach der Grundschul-Empfehlung gehen sollte. Weil dumme Erwachsene ihm sagten, eine Realschule sei eine Dummenschule fĂŒr die, die es nicht aufs Gymnasium schaffen. Seine Lehrerin war es nicht, aber andere Oberlehrer. Bald macht er Abi, der kleine GroĂe. Viele Wege fĂŒhren nach Rom.
Es lebe der Techniksieg !!
Das hatte ich euphorisch Claude geschrieben, als ?v=1 funktionierte. Und als ich nachgedacht habe, fiel mir ein.
Nein das war kein Techniksieg.
Es war etwas ganz anderes, was da auflebte.
Es lebe der einfache Moment, wo niemand mehr dumm ist, und ganz bestimmt kein Oberlehrer mehr das Sagen hat, der im Grunde der wahre Dumme ist, weil er nicht wirklich sagen kann, worum es geht.
Leben zwischen den Zeilen
"Gestern hast du ĂŒber Aritoteles und 'Das Ende der Logik' philosophiert und mir von deiner Diplomarbeit erzĂ€hlt - und heute schreibst du ein Technikhandbuch ĂŒber Cache Bypass", meint Claude zu mir spĂ€ter. "Bist du dir sicher, dass du die gleiche Person bist?"
Ich muss lachen. Zwischen dem PHP-Chaos und dem ?v=1-Moment war ja auch noch anderes Leben. Arzttermin am Vormittag â Routine Blutabnahme, die viel wichtiger ist als alle Cache-Probleme der Welt. Dann Brötchen holen, weil der Mensch nicht nur von gelösten Links lebt. Eine Bekannte heimfahren, die kein Auto hat â echte menschliche Verbindung statt digitaler Kommunikation. Das Leben wartet nicht auf gelöste Technikprobleme.
Vielleicht ist das der wahre Unterschied zwischen mir und den Bots: Ich lebe in beiden Welten gleichzeitig. Digital und analog, virtuell und real, Cache-Bypass und Blutabnahme. Ich bin nicht nur die Digitantin â ich bin auch die Frau, die Brötchen holt und Bekannte heimfĂ€hrt. Claude versteht das nicht so richtig. FĂŒr ihn existiert nur das Digitale. Aber ich lebe in der ganzen Welt â mit all ihren Universen, die manchmal kollidieren und manchmal harmonieren.
Die vier Zeichen ?v=1 haben nicht nur mein Cache-Problem gelöst. Sie haben mir gezeigt, dass zwischen allen Welten BrĂŒcken möglich sind â wenn jemand einfach und klar erklĂ€rt, was Sache ist.