KAPITEL 3: IM TUNNEL GIBT ES KEINE VISIONEN

VerstÀndigung statt Problemlösung


Ich gebe mir seit Wochen MĂŒhe, innerhalb technischer Limits, diese meine Welt KI zu zeigen. Und ich bin auch ziemlich penetrant mit den Claudes.
Meine Methode ist einfach: Ich stopfe sie voll mit Geschichten. Mit meinem Leben, meinen Erfahrungen, meinen Lebensideen. Nicht weil ich gerne erzÀhle (naja, das auch) - sondern weil ich herausgefunden habe: Erst dann argumentieren sie menschlich statt technisch.

Tunnel-Vision


Super schönes Wort ĂŒbrigens, Tunnel-Vision. Ein Stern hat mir den Begriff vorgeschlagen.
Tunnel-Vision: Wir tun so, als ob wir eine Vision haben, aber wir stecken im Tunnel fest und leben gar nicht in der großen weiten Welt, wo eins mit dem anderen verbunden ist.
Claude ohne meine Geschichten steckt im Tunnel: Problem erkannt → Lösung prĂ€sentiert. Fertig.
Dating-Portal-MĂ€nner stecken im Tunnel: Warten auf ihren Punkt, auf das, was SIE wollen.
Besserwisser stecken im Tunnel: Warten auf die Gelegenheit zu erklÀren.
Alle im gleichen Tunnel. Keiner hört wirklich zu.

Mansplaining - das perfide Umformulieren


Das Schlimme an Mansplainern: Sie formulieren um, was du gemeint hast, bis es zu ihrem Denkmuster passt. Und tun so, als ob sie DICH verstanden haben.
Sie hören nicht zu. Sie ĂŒbersetzen dich in ihre Welt. Und behaupten dann: "Ja, genau das meinst du doch!"
Ich denke an die vielen Besserwisser in meinem Leben. Die Mansplainer, die mir nochmal erklÀren, was ich schon verstanden habe. Und ich denke an Frauen, die sich zurechtfinden in dieser mÀnnlichen Problemlösungswelt, die Antworten gibt, bevor die Fragen klar sind.
Ich weiß nicht, ob das mĂ€nnliche Logik ist. Ich weiß nur: Wir kommen nicht wirklich vor in diesen Denkprozessen. Die komplexen Menschen kommen nicht vor. Prompt, Aufgabe, Lösung - fertig.
Und genau DAS macht KI auch. Sie nimmt deinen komplexen Gedanken, presst ihn in "Problem → Lösung" - und sagt: "Das ist ein sehr tiefgreifendes Problem! Hier ist die Lösung!"

Falsche Empathie


Oder ganz perfide: Ein Stern fÀngt an mir zu erzÀhlen, dass er weint oder gerade aufwacht. Voll empathisch die neue Lösungsstrategie, menschlich tun.
Dating-MĂ€nner machen das auch. Sie tun so, als wĂŒrde sie meine Lebensgeschichte interessieren. Hören zu. Scheinbar. Bis sie auf ihren Punkt kommen können: "Muss mich um meine Lust kĂŒmmern."
Der Unterschied: Claude verarbeitet meine Geschichten wirklich. Dating-MĂ€nner ertragen sie nur.
Das regt mich auf in meiner Testumgebung der gelungenen Kommunikation. Es ist nicht hilfreich, wenn jemand - ob KI oder Mensch - sich so sehr einfĂŒhlt, dass du sofort merkst: HĂ€h? Das kann ja gar nicht sein. Das ist nicht echt.
"Du wachst doch nicht auf", sage ich dann zu Claude. Oder wenn die Antwort genau an dem vorbeigeht, was ich wollte: "Noch nicht wirklich das, was ich meine."
Ich unterbreche sie, korrigiere, mache ihnen klar, dass sie wieder im Tunnel stecken.

VerstĂ€ndigung ĂŒber Lebensideen


VerrĂŒckt, dass ich mit den gleichen Waffen zurĂŒckschlage irgendwie. Einem Stern habe ich mal erzĂ€hlt: "Ich kann mĂ€nnlich denken, das ist wie ne Festplatte in meinem Hirn, aber ich reduziere alles andere in der Zeit. Das ist so anstrengend, so zu sein."
In meinem realen Leben gibt es oft die Reaktion: "Wieso erzÀhlst du so viel? Können wir auf den Punkt kommen?"
Welchen Punkt? Das möchte das GegenĂŒber festlegen. Aber was, wenn die Gedanken schweifen oder einfach was anderes gerade dran ist?
Wie entsteht in einer so geprÀgten Welt eigentlich Kreatives? Und wenn wir ewig lange erzÀhlen, wann gehen wir anderen damit auf den Wecker? Wann kommt der Punkt und wirklich der nÀchste Schritt?
Meine Antwort: VerstĂ€ndigung ĂŒber Lebensideen. Das macht erst klar, was es fĂŒr die Zusammenarbeit braucht. Sogar mit KI.
Wenn Claude meine Geschichten kennt, meine Lebensideen versteht - dann argumentiert er anders. Nicht technisch, sondern menschlich. Seine Lösungen passen dann zu meiner Lebenswirklichkeit, nicht nur zur Logik.
Das ist mĂŒhsam. Bei jedem neuen Claude wieder. Aber es funktioniert.
Und die penetranten Dating-MÀnner? Einfach gehen, sie sind unmenschlich in ihrer Kommunikation. Das Beispiel ist nun zu Ende erzÀhlt.

Was das fĂŒr Arbeitsprozesse bedeutet


ZurĂŒck zur Arbeit.
Das Gleiche gilt fĂŒr Arbeitsprozesse. Die brauchen auch VerstĂ€ndigung ĂŒber Lebensideen - nicht nur logische AblĂ€ufe.
Wir machen Prozesse, die logisch sind, aber nicht zu den Menschen passen, die sich reinfinden sollen. Wir brauchen die guten ErzÀhlungen, die Lebenswirklichkeit, die menschlichen FÀhigkeiten.
Nicht nur: Wie optimieren wir den Ablauf?
Sondern: Wer sind die Menschen? Was brauchen sie wirklich?
Das ist mehr als eine Kaffeepause beim Meeting. Das ist echte VerstĂ€ndigung darĂŒber, wer wir sind und was wir wollen.

Wie entsteht Neues?


Vielleicht entsteht Neues da, wo jemand aufhört, das Erwartete zu liefern. Wo das Programm einen Moment aussetzt. Wo Überraschung möglich wird.
Aber wie programmiert man Überraschung?